Sexuelle Spannung durch wahre Männlichkeit und echte Weiblichkeit?

Erotische und sexuelle Spannung braucht kein schwarz-weiß, es gibt sie auch in Farbe

Wodurch entsteht erotische Spannung?

Wahre Männlichkeit und echte Weiblichkeit bieten Stoff für ungezählte Träume und Fantasien. Für bittersüße Sehnsüchte und prickelnd-heiße Geschichten. Allzu oft werden diese emotional hoch aufgeladenen Begriffe leider zu Gefängnissen, deren Gitterstäbe aus nichts anderem bestehen als aus individuellen und kollektiven Überzeugungen.
Aus eigener Erfahrung neige ich zu dem Schluss: Um ein lust- und liebevolles Leben zu führen, erotische oder sexuelle Spannung aufzubauen und befriedigende wie dauerhafte Bindungen einzugehen, brauchen wir diese Begriffe nicht, weder als Ideale noch als Wegweiser. Sie werden umso mehr entbehrlich, je genauer wir das, was wir mit ihnen zum Ausdruck bringen wollen, direkt benennen, anstatt über den Umweg der Geschlechtszuordnung.

Der ganze Video-Talk zum Thema Sexuelle Spannung

Warum nennen wir Zielstrebigkeit, Dominanz, intellektuelle Brillanz oder den Wunsch nach Penetration nicht einfach beim Namen, sondern verstecken und vermanschen all diese Qualitäten unter dem einen Etikett „männlich“? Warum müssen – wie beispielsweise kürzlich beim Online-Kongress zur weiblichen Sexualität zu beobachten – immer wieder Tautologien und Floskeln zelebriert werden à la „Je mehr ich die Frau in mir lebe, desto mehr genieße ich meine Weiblichkeit.“ Warum sagen wir nicht, was wir jeweils genau meinen?

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    Weiblichkeit?

    Im Sex nichts tun müssen?

  • Von einem Mann – natürlich dem richtigen! – auch mal ohne viel Tamtam einfach genommen werden?
  • Oder ganz im Gegenteil dem Mann genau zeigen, wie der Körper, die Brüste oder die Vulva berührt werden möchten?
  • Oder gar als eine „Sub“ von einem „Dom“ gekonnt gequält werden?

Das alles kann mit der Redewendung „Ich lebe jetzt meine Weiblichkeit“ gemeint sein und ist bei näherer Betrachtung ganz und gar nicht eindeutig, sondern höchst widersprüchlich. Doch damit nicht genug, alle diese Motive kenne ich auch als Mann. Warum lassen wir die Etiketten weiblich/männlich nicht öfter mal beiseite und schauen, was wirklich in uns abgeht?

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Männlichkeit?

Wer jedoch Männlichkeit und Weiblichkeit tatsächlich aus dem eigenen Orientierungs- und Wertekanon entsorgt, lebt wild und gefährlich. Zunächst mal sind wir gefordert, uns mit unseren Bedürfnissen spezifischer zu beschäftigen und zu zeigen, anstatt uns hinter gefälligen Aussagen wie „Ich lebe jetzt mein Mannsein“ zu verstecken. Uns in unseren erotischen Vorlieben genauer zu offenbaren, macht verletzlich, besonders, wenn wir anders fühlen und begehren als der Mainstream. Und jenseits der Gender-Konventionen ernten wir nach wie vor Irritationen und Unverständnis, wenn nicht Schlimmeres. Wer nicht weiß, was ich meine, ziehe als Mann mal Frauenkleider an und gehe damit auf die Straße …

Doch im Verlassen der Konventionen liegen auch Potenziale großer Authentizität und Hingabe, gepaart mit Spontaneität, Flexibilität und selbstbewusster, einzigartiger Bindungsfähigkeit. Ich spreche auch aus Erfahrung, auf die ich bald zurückkomme. Zuvor aber noch ein paar grundsätzliche Überlegungen.

 

Aus Geschlechtsunterschieden müssen wir keine Prinzipienfrage machen

In Weiblickeit und Männlichkeit – von Archetypen und Stereotypen habe ich ausgeführt, warum ich diese Begriffe nicht als universelle Prinzipien der Existenz definieren möchte. Die Diskussionen rund um die Geschlechterfrage sind längst viel zu ideologisch geworden – auch in ihrer spirituellen Variante, bei der oft von männlicher und weiblicher Energie die Rede ist, so als seien diese Energieformen immer klar voneinander abgrenzbar. Sie sind jedoch bestenfalls Pole eines gemeinsamen Energie-Kontinuums. Interessante Fragen wie „Warum fühlen und denken Frauen anscheinend anders als Männer“ oder „Was unterscheidet Frauen und Männer schon von ihrer Biologie her, von ihrem Körperbau, ihrer Gehirnstruktur und ihren Hormonen?“ verwandeln sich allzu oft in die Suche nach Bestätigung für bereits vorhandene Überzeugungen. „Siehst du, ich habe es schon immer gewusst. Männer sind einfach testosterongesteuert und daher notorisch untreu.“ Oder „Dass Frauen bindungsorientierter sind, ergibt sich allein schon aus ihrer Gebärfähigkeit.“

Sex - die wahre Geschichte

Sex – die wahre Geschichte

Fast alle Argumentationen, die mir in diesem Kontext bislang begegnet sind, entpuppen sich bei näherer Betrachtung als voreingenommen. Wer seine diesbezüglichen Vorurteile überprüfen möchte, lese Sex, die wahre Geschichte, eine wahre Fundgrube für täuschend glaubwürdige „Erkenntnisse“ bezüglich unserer sexuellen Vorgeschichte bei Jägern, Sammlern und Primaten, die bei Licht besehen alle nicht haltbar sind. Nicht selten werden z.B. Ursache und Wirkung verwechselt. So beweist eine unterschiedliche Gehirnstruktur mitnichten einen biologisch vorherbestimmten Unterschied. Sie kann auch einfach anzeigen, dass das Gehirn im Laufe des Lebens anders genutzt wurde. So wie bei den heutigen Teenagern, bei denen das Hirnareal, das für schnelle Daumenbewegungen zuständig ist, immer mehr Raum einnimmt.

Nicht weniger voreingenommen werden Geschlechterfragen in der soziologisch orientierten Genderforschung diskutiert: „Wie und in welchem Ausmaß werden Geschlechterrollen sozial konstruiert?“ Die Frage wird zum Schlachtfeld ideologischer Debatten. Die darin vertretenen Standpunkte haben oft mehr mit den Weltbildern ihrer jeweiligen Vertreter als mit geschlechtsspezifischen Sachverhalten zu tun. Mädchen spielen mit Puppen, weil sie die typisch weibliche, fürsorgliche Geschlechterrolle überall gespiegelt bekommen, sogar dann, wenn sie von den Eltern abgelehnt wird, heißt es von Fans der Gendertheorie. Seltsam nur, dass sogar Affen, denen man Puppen und Spielzeugautos zur Auswahl gab, mit jeweils deutlicher Mehrheit zum geschlechtsspezifischen Spielzeug-Klischee griffen. Dafür kulturelle Gründe zu finden, ist nicht ganz einfach. Was aber doch einfach zu verstehen sein könnte: Es gibt immer biologische und soziale Faktoren. Beide wirken darauf ein, als wie weiblich oder wie männlich wir uns wahrnehmen und wie wir damit umgehen. Warum muss daraus eine Prinzipienfrage werden? Warum sollten wir daraus ableiten wollen, was uns individuell erfüllt? Können wir nicht selber fühlen? Unsere eigenen Präferenzen entwickeln?


Zur Info

Dieser Text ist  Teil einer Blogparade, eines Netzwerkes von Frauen und Männern, die sich mit dem Thema Männlichkeit und Weiblichkeit intensiv beschäftigen. Jede und jeder nimmt dabei eine ganz eigenen Perspektiven ein. Hier eine kleine Auswahl:

 

 

Erotische Spannung gibt es nicht nur in Schwarz-Weiß

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Erotische Vielfalt genießen

Wie wäre es, die Frage nach unserer Geschlechtszugehörigkeit und ihren Implikationen, wann immer möglich, offen zu lassen? Wie wäre es, nicht alle möglichen menschlichen Eigenschaften in männlich oder weiblich zu kategorisieren und damit zu suggerieren, ihnen stünde jeweils ein Geschlecht prinzipiell näher? Wie wäre es, uns stattdessen unvoreingenommen den vielfältigen Möglichkeiten zuzuwenden, die uns als erotisch-sexuelle Wesen jeden Geschlechts offenstehen? Wie wäre es, auf die populären Konzepte vom wahren Mann- oder authentischem Frausein als Orientierung stiftender Kategorien komplett zu verzichten? Mal davon abgesehen, dass manches Geschäftsmodell damit seine Grundlage verlöre, fürchten einige Frauen wie Männer vielleicht, dass die erotische Spannung darunter leiden könnte, wenn Männer nicht mehr Männer und Frauen nicht mehr Frauen wären. Dahinter steht die reale Erfahrung, dass erotische Spannung in Zeiten des Unisex tatsächlich verloren gehen kann. Spannung braucht Polarität. Aber Polarität gibt es nicht nur zwischen Schwarz und Weiß. Erotik kann sogar richtig bunt sein.

Im Einzelfall kommt es durchaus vor, dass ein klassischer, sagen wir kraftstrotzender und durchsetzungsfähiger Mann sich nur von hingabebereiten Frauen mit weichen Rundungen angezogen fühlt. Bei einem Blick in den Spiegel – oder ins Antlitz eines Geschlechtsgenossen – stellt sich bei ihm vielleicht tatsächlich keinerlei erotische Regung ein. Er mag es für natürlich halten, dass sich nur echte Gegensätze wirklich anziehen, doch faktisch gibt es sehr wohl Machomänner, die geilen Sex ausschließlich mit ihresgleichen suchen, pflegen und genießen.

Queere Sexualität

Queere Sexualität

Wer denkt, unter Schwulen fänden sich jeweils ein „männlicher“ Lederkerl mit einer „weiblichen“ Tunte zusammen, damit sich sexuelle Spannung aufbauen könne, irrt gewaltig. Ein Ausflug in die queere Community könnte einige Irrtümer aufklären, denn solche Annahmen entpuppen sich angesichts realer Erfahrung als pure Ideologie. Aus der Projektion eigener Vorlieben oder gesellschaftlicher Normen wird ein vermeintlich allgemeingültiges Naturgesetz abgeleitet. Eine einzelne Frau kann durchaus vor allem im Liebesspiel mit einem gut trainierten Männerkörper oder in der Begegnung mit einem distinguierten Herrn mit der Aura von Macht und Dominanz in Wallung geraten. Aber gilt das immer und für alle Frauen? Wohl kaum. Immer mehr Frauen entdecken zum Beispiel, dass eine andere Frau sie ebenfalls erregen kann. Sind sie dann lesbisch? Wer fragt das? Zu welchem Zweck dient diese Frage?

 

Empathiefähigkeit als embryonaler Hormonschaden …

Gewisse Forscher mögen mich für einen Ausnahmefall halten, kann ich mich doch ziemlich gut sowohl in „weibliches“ wie auch in „männliches“ Erleben einfühlen, und zwar sogar in deren Extreme. Würde man mich näher untersuchen, würde man wahrscheinlich so etwas wie Testosteronmangel im Mutterleib diagnostizieren. Mir wäre das inzwischen egal, ich habe nämlich nicht wirklich ein Problem mit meiner Veranlagung. Im Sex finde ich es manchmal total geil, kraftvoll und dynamisch zu ficken. Typisch Mann eben, allein schon die Wortwahl. Aber genauso gerne bin ich achtsam und ohne große Bewegung still vereinigt und genieße das Lauschen auf die delikaten, subtilen Empfindungen, die sich im Beckenraum, nein, im ganzen Körper einstellen und ausbreiten können. Auch das kann ekstatisch sein oder einfach himmlisch. Typisch Frau. Aber ach, kann denn das sein? Ich bin doch ein Mann! Vergesst den Quatsch, rufe ich euch und mir selber zu!

… überhaupt ein richiger Mann?

Ich finde es sehr erotisch, innerlich auf die Jagd zu gehen, Frauen anzuschauen und mit dem Gedanken zu spielen: Wie wäre es mit dieser … oder mir jener? Aber heißt das, dass es mich nicht auch anmachen kann, wenn eine Frau den Vamp gibt und mich anmacht, direkt und unmissverständlich? Tja,  das kann auch cool sein, oder gar heiß. Soll ich eine dieser beiden – zugegebenermaßen holzschnittartig zugespitzten – Arten der Kontaktaufnahme bevorzugen, nur weil ich ein Mann bin? Wie viele Frauen erleben immer noch Schamgefühle, wenn sie sexuell initiativ werden? Und dann müssen sie sich noch anhören, sie hätten ein Problem mit ihrer Weiblichkeit und seien daher für Männer weniger attraktiv. Ich habe Frauen erlebt, die von solchen Aussagen selbsternannter Gurus regelrecht (re-)traumatisiert wurden. Die Ideologie unserer Großeltern feiert zuweilen eine erstaunliche Renaissance, nicht zuletzt auch in der spirituellen Szene und im Tantra. Dabei gibt es doch unendlich viele Varianten, den Eros zu feiern. Warum sollten wir sie fein säuberlich in zwei Lager aufteilen und je einem Geschlecht zuordnen? Weil dann alles seine Ordnung hat und wir uns sicherer fühlen? Mag sein, aber ich will mir dennoch alle Optionen offenhalten. Typisch Mann eben. Doch manchmal verzichte ich bewusst auf bestimmte Optionen, weil mir eine verbindliche Partnerschaft wichtiger wird. Ups. Typisch Frau. Mit mir muss etwas nicht stimmen …

 

… oder Androgynität als Zeichen sexueller Gesundheit?

Oder handelt es sich eher um ein Zeichen psychischer Gesundheit? Ich kann mich in ganz verschiedene Vorlieben einfühlen, sogar in solche, die ich selbst gar nicht erleben möchte. Mit einer Frau für nur eine einzige Begegnung intim zu werden, kann abgefahren sein; und in langjährigen Partnerschaften kann zu viel Nähe die Erotik ersticken. So denkt Mann! Aber ich erlebe auch, dass tiefe Innigkeit den Sex viel erfüllender macht, so tief berührend, wie es in kurzen Begegnungen kaum möglich ist. So fühlt Frau!

Herrje! Ich bin das lebende Beispiel dafür, dass diese Kategorien überflüssig sind, weil sie uns nahelegen, jeweils einer von zwei Polen menschlich-erotischer Verhaltensweisen und Vorlieben müsse uns näherstehen als der andere. KANN auch so sein. MUSS aber nicht!

Und um meinen Ruf nun vollends zu ruinieren, bin ich auch, was meine sexuelle Orientierung angeht, ein Wandler zwischen den Welten. Männer können echt sexy sein, optisch wie auch sinnlich. Sie können mich aber auch total abtörnen. Bei Frauen ist das grundsätzlich genauso, obwohl es häufiger vorkommt, dass mich eine Frau erotisch anzieht. Aber das könnte schlichte Gewohnheit sein. Es ist lange her, aber es gab Jahre in meinem Leben, da war es genau anders herum. Ich dachte, ich wäre schwul, bis ich dahinterkam, dass dies eine Fähigkeit ist, nämlich die, mich erotisch auf Männer zu beziehen. Das muss nicht die Einschränkung nach sich ziehen, dies bei Frauen nicht genauso gut oder gar besser zu können.

 

Normative Kategorien gehören auf den Sondermüll.

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Geschlechterrollen sind Karikaturen

Neben den Kategorien männlich und weiblich können wir also auch noch hetero und homo auf den Müll werfen, zumindest als normative Vorbilder. Am besten auf den Sondermüll, denn sie sind toxisch, sie vergiften unsere sexuelle Unschuld und untergraben unsere angeborene Neugier. Warum müssen wir unsere sexuelle Orientierung definieren? Warum eine fixe sexuelle Identität herausbilden, die uns später nicht mehr loslässt? Dafür bezahlt uns doch niemand, außer mit der behaglichen Anerkennung eigener Normalität.

Mag ja sein, dass ich als Embryo eine Ladung Östrogen zu viel abbekommen habe, aber mein Erleben legt mir nahe, dass erotische Präferenzen durchlässiger sind, als die meisten Menschen dies für möglich halten und deswegen auch gar nicht erst erforschen, geschweige denn zulassen. Von der gesellschaftlichen Diskriminierung mal ganz zu schweigen. Wenn Männer genauso selbstverständlich Kleider anziehen dürften, ohne verspottet zu werden, wie Frauen heute selbstverständlich Hosen anhaben: Gäbe es dann überhaupt noch Transvestiten oder Transsexuelle? Sind diese „Störungen der Geschlechtsidentität“ womöglich nicht zuletzt ein Protest gegen Konventionen, ausgedrückt von den wenigen, die ihr Erleben einfach gar nicht mit den fixen Rollenerwartungen unserer Kultur zusammenbringen? Es könnte unser Leben enorm bereichern, wenn wir unsere devianten Möglichkeiten nicht nur projektiv durch die Wahl einer Conchita Wurst beim Eurovision Songcontest ausleben, sondern im eigenen, realen Leben.

 

Das Leben ist unerschöpflich kreativ

Wer glaubt, eine Gesellschaft könne solche Offenheit bezüglich sexueller Identitäten allenfalls in Randbereichen tolerieren, solange der grundsolide Kernbereich der großen Mehrheit nicht in Frage steht – wo Männer noch Männer sind und Frauen noch Frauen und diese gemeinsam eine Familie gründen – der hat vielleicht Recht. Oder einfach zu wenig Fantasie.

Sexuelle Spannung aufbauen

Ich persönlich liebe die Fantasie, ich liebe die Vielfalt an Möglichkeiten, die uns heutzutage offenstehen. Das traditionelle Rollenbild gehört durchaus auch dazu, als eine Möglichkeit unter vielen. Man kann Liebhaber der klassischen Geschlechterrollen sein und sich an Kinoklassikern wie Casablanca mit Humphrey Bogart und Ingrid Bergman ergötzen. Seufz. Von mir aus auch an Shades of Grey. Man kann Schwarz-Weiß-Fotografie und die durch Reduktion auf die Gegensätze hell und dunkel begründete Erotik lieben. Man muss deswegen aber nicht behaupten, die Buntheit des Lebens sei unerotisch und es müsse genau klar sein, was das Gegenteil von Rot ist. Grün? Schwarz? Blau? Gelb? Viele erotische Paarungen sind möglich, unendlich viele. Sexuelle Spannung kann auf vielfältige Weise entstehen. Das ist verwirrend, aber auch unendlich lebendig. Der unerschöpflich kreative Tanz des Lebens.

Wir können dabei sein. Nicht nur in der ersten Reihe, sondern mittendrin.

Gerne erfahre ich eure Erfahrungen mit und Ansichten zum Thema Mann- und Frausein. Hinterlasse gleich hier unten deinen Kommentar!

Über Saleem Matthias Riek

Saleem Matthias Riek ist Heilpraktiker mit dem Schwerpunkt Paar- und Sexualtherapie, Tantralehrer, Diplom-Sozialpädagoge und lebt bei Freiburg im Breisgau. Saleem ist Autor mehrerer Bücher rund um Lust und Liebe, Tantra und Spiritualität. Bisher erschienen sind "Herzenslust" (auch als Hörbuch), "Leben, Lieben und Nicht Wissen", "Herzensfeuer", "Lustvoll Mann sein" und "Mysterien des Lebens". Weitere Bücher sind in Vorbereitung, u.a. eine Romantrilogie.
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15 Antworten zu Sexuelle Spannung durch wahre Männlichkeit und echte Weiblichkeit?

  1. Andreas Huckele sagt:

    Lieber Saleem,
    dass was Du in Deinem Video beschreibst war für mich einer der Gründe keine sogenannten Tantra-Seminare mehr zu besuchen. Ich habe selten so viele klugscheißende Kopfbewohner getroffen, wie in Tantra-Seminaren, die einfach die alten Ideen und Konzepte gegen neue ausgetauscht haben und dachten sie sind auf dem Weg in ein besseres Leben unterwegs. Autsch.
    Dein Artikel macht mich jedenfalls neugierig darauf, wie Du wohl unterrichtest. Vieleicht komme ich mal vorbei.
    Ich wünsche Dir noch viel Freude damit.
    Andreas

  2. Andrea sagt:

    Danke, sehr guter Beitrag. Insbesondere, weil mich diese Geschlechterstereotypen schon seit meiner Kindheit nerven. Ich musste immer damit kämpfen, weil ich angeblich nicht so mädchenhaft sein wollte oder war, wie man es von mir gerne gehabt hätte. Ich habe auch nie verstanden warum, denn ich habe mich ja wohl gefühlt so wie ich war. Ich hätte persönlich schon längst die Kategorien „männlich“ oder „weiblich“ abgeschafft. Das macht unfrei, unfrei einfach so zu sein, wie wir uns fühlen und einfach zum jeweiligen Zeitpunkt sein wollen. Unfrei, sich für Dinge zu interessieren, die uns vielleicht nicht zugetraut oder zugestanden werden.

  3. Stefan sagt:

    Lieber Saleem!
    beim ersten Querlesen kommt mir spontan der Eindruck, deine Dialektik ist provokativer geworden. Kann es sein, dass du nun etwas schärfer, saftiger schreibst? Du kannst ja so gut schreiben, dass man die Spitzen garnicht mitkriegt. Oder ist es nur, weil ich eh verwirrt bin, empfindsamer und empfindlicher, weil ich recht haltlos mit meinen eingeprägten Rollenbildern umher taumele? Wo nichts mehr zu greifen und zu stimmen scheint, mich daneben benehme und mich auch nicht mehr an meinem Schwanz festhalten kann und damit immer noch ins Drama rutsche. Auch wenn ich dankbar bin dafür: Transformation fühlt sich echt unangenehm an in mir und ich hoffe, bei tieferen Lesen heute abend in der Hängematte eine beruhigende Wirkung zu finden,
    mit verspätet herzlichen Neujahrsgrüßen
    Stefan

    • Lieber Stefan, ja kann sein.
      Wahrscheinlich ist deutlich zu spüren, dass das Nachbeten altbackener Rollenbilder, das teilweise auch im Tantra z.B. unter den wohlklingenden Vokabeln Shiva und Shakti groß in Mode ist, ein kleines bisschen auf den Keks geht …
      Und fürs Festhalten brauchen wir Rollenbilder nicht unbedingt, ein guter Kontakt mit den eigenen Gefühlen und dem eigenen Körper ist ja auch schon was …
      Alles Liebe
      Saleem

  4. Dankeschön für den sehr ausführlichen, aufklärenden und ganzheitlichen Artikel Saleem!

  5. Hallo Saleem,
    ich stimme dir da absolut zu!
    Außerdem kann ich dein Feuer spüren in diesem Text. Denn ich meine zu spüren, dass du diese Grenzen, die durch künstliche „Identitäten“ geschaffen werden, satt hast. Auch in meiner Wahrnehmung werden diese Grenzen, die Halt bieten können, für viele Menschen zum Gefängnis. Das ist ungesund.
    Frau/Mann sein bedeutet nicht zu sein, wie es eine Kategorie vorbestimmt, sondern sein wie „man“ eben ist in den jeweiligen Kontexten und Umständen.

    Danke!

  6. Hilkea sagt:

    Lieber Saleem,
    ich bin gerade ganz glücklich, dass du solche Dinge schreibst, denn das Thema beschäftigt mich schon sehr, sehr lange.
    Vieles ist so unklar. Wenn ich einfach nur mich anschaue oder eher in mich hinein spüre, kann ich fühlen, dass es diese ganz unterschiedlichen Anteile und Wünsche in mir gibt. Und wie sollte das alles nicht weiblich sein, denn schließlich bin ich eine Frau?
    Man(n) sagt mir immer wieder, ich hätte einen sehr weiblichen Körper, also Rundungen. Aber sind alle Frauen, die eher knabenhaft sind deshalb nicht weiblich? Es hat lange gedauert bis ich mich angefangen habe in meinem Körper wohl zu fühlen, denn diese Doppelbotschaften, was schon allein die Körperformen angeht sind extrem schwierig für mich gewesen. Einerseits werden meine weiblichen Formen anerkennend von Männern gelobt und gewollt, andererseits aber auch wieder nicht, denn immer noch ist schlank schöner als nicht schlank und schlank im Sinne von dünn bin ich nie gewesen.
    Aber was finde ich schön? Ich fühle mich seit der Pubertät mit diesem Spagat mal wohl, mal nicht. Jetzt, angekommen in den Wechseljahren finde ich mich endlich genau richtig wie ich bin und sehr wohl. Hätte gern ein paar Jahre früher passieren können. 😉
    Es gibt übrigens einen Tantra-Anbieter, der explizit Menschen mit Übergewicht ausschließt – gruselig
    Und dann die Rollen, noch so ein Thema. Was ist eine Frau? Sollte ich weich und anschmiegsam sein? Die Hingabe persönlich? Ja also, bin ich manchmal. Hingeben kann ich mich toll, besonders in der Sexualität.
    Aber bin ich nicht immer, ist nur eine Seite.
    Dass ich nie auf Männer zugegangen bin hatte mehr mit meiner Unsicherheit und Angst zu tun, als dass ich es nicht gern gemacht hätte. Nun tue ich es seit kurzer Zeit, bedingt durch persönliche Umstände. Es tut mir gut, es macht mir Spaß, ich fühle mich immer noch als Frau, manchmal sogar mehr als früher.
    Aber dann ist es – genau wie du gesagt hast – für manchen ein bisschen zu viel Initiative. Hm, soll ich im Kurs stehen und warten bis endlich der Richtige kommt? Bis mein Traummann erkannt hat, dass er nur mich möchte? Das habe ich mein halbes Leben gemacht, funktioniert nicht, wenn man nicht aussieht wie Claudia Schiffer oder denkt euch sonst irgendeine Schönheit aus.
    Wie kriege ich dann hin, dass ich ganz subtil auf den Mann zugehe, aber der Mann nicht merkt, dass ich die Initiative hatte? Puh, was für ein anstrengendes Spiel. Ich hasse es, mich verstellen zu müssen und hintenrum gehen zu müssen. Habe ich mein Leben geübt, das mehr und mehr zu unterlassen, aber mit den Geschlechter Rollen sollte ich es wieder üben? Nein, danke.

    Und dann die Sexualität: also immer nur hingeben ist es für mich nicht, auch wenn ich Hingabe liebe. Manchmal fühle ich mich ganz anders, die Energie, die ich mir unter Penetration vorstelle kenne ich auch als Frau. Darf ich das wieder nicht, weil Frau so oder so sein sollte?
    Aber was ist dann mit der Kali Energie, mit der Shakti Energie? Alles nur Lenor-weichgespült? Sorry, bin ich nicht, möchte ich nicht, macht mich nicht an, wenn ich so einseitig sein sollte. Ich habe die stärksten, berührendsten Momente in meiner Partnerschaft gehabt, wo wir beide unglaublich echt gewesen sind. Und diese Momente waren so verschieden in unseren Energien, wie man es sich kaum vorstellen kann. Wir konnten jeder beides und doch haben wir uns immer wieder gefragt, was ist ein echter Mann, was eine echte Frau. Unter anderem bedingt durch Tantra Kurse.
    Und ich schreibe es gern nochmal, ich bin eine biologische Frau, also ist alles an mir weiblich oder etwa nicht?

    Und wie das mit der Anziehung wirklich geht? Ich habe keine Ahnung. Meine Beziehung ist nach fast 20 Jahren unter anderem daran zerbrochen, dass sich die Spannung so gar nicht mehr einstellen wollte. Aber irgendwie war Liebe da, und nun?
    Ich kann jedenfalls sagen, dass es nicht daran gelegen hat, dass ich nicht weiblich genug gewesen wäre. Manche behaupten, es hätte mit Erfolg und Geld zu tun, da gäbe es auch eine Verteilung, wie Männer und Frauen sein müssen, weil sonst das Rollenbild nicht stimmt und sich das auf die Sexualität auswirkt.
    Kurz und bündig: wenn die Frau erfolgreicher im Beruf ist und mehr Geld verdient, kastriert sie damit den Mann. Und dann war es das.
    Aber mal im Ernst, so simple kann es doch auch nicht sein, oder? Ich weigere mich daran zu glauben. Ist Erfolglosigkeit weiblich und Erfolg männlich, mal ganz überspitzt gesagt?
    Und so schlage ich mich schon mein halbes Leben lang mit diesen Fragen herum, wie ich endlich eine „richtige“ Frau werde und stelle fest, je länger ich mich damit beschäftige: recht machen kann man es ohnehin nicht allen und den größten Erfolg habe ich damit, wenn ich mehr weiß, was wirklich meins ist, egal ob es in die Rolle passt, die derzeit als die Richtige postuliert wird.
    Danke also Saleem, dass man bei dir im Kurs nicht ständig damit bombardiert wurde, sich hübsche Unterwäsche anzuziehen und wohlriechend, weich und weiblich zur nächsten Session zu erscheinen. Ich bin alt genug selbst zu wissen, wie ich mich gern präsentieren möchte und da sein möchte und sehe, wie es mir gut geht.
    Und damit ging es mir im Kurs bei dir richtig gut. Danke dafür und dass du nicht da vorne sitzt und den großen, unglaublich männlichen Alpha raus kehrst, sondern menschlich und warmherzig bist und einfach super gute Arbeit machst, so dass man sich selbst im Kurs erleben und ausprobieren kann, fern von all dem Rollen-Gedöns

  7. Danke, Hilkea, für deinen sehr offenen und persönlichen Kommentar!
    Ich hoffe, dass auch in der Tantraszene bald mal ein Nachdenken darüber einsetzt, ob diese beliebten Geschlechtertypisierungen wirklich unserer sexuellen und spirituellen Entwicklung dient … oder ihr eher im Wege stehen.
    Liebe Grüße Saleem

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