Coronifiziert

Update vom 16.3.2020: Siehe unten in meinem Kommentar!

Zum Umgang mit unserer Angst und dem Unbekannten

Die rapide zunehmende Ausbreitung des neuartigen Coronavirus bereitet vielen Menschen Sorgen. Auch mich lässt sie nicht unberührt – auf ganz verschiedenen Ebenen.

Mit einer solchen Gefährdungslage kennen wir uns nicht aus, sie ist für die allermeisten von uns ohne Beispiel. Wir sind es gewohnt, dass im Großen und Ganzen alles funktioniert. Und jetzt soll das plötzlich alles ganz anders sein?

Das macht Angst, die sich schnell zur Panik auswachsen kann. Zudem bringt die Coronakrise vieles ans Licht, was wir gerne verdrängen oder was sich eher im Schatten verborgen hält, allem voran unsere Verletzlichkeit, individuell, kollektiv und global.

Wir sind herausgefordert, mit unserer Angst einen guten Umgang zu finden, denn was wir ihr aus persönlichen Prägungen heraus entgegensetzen, kann deutlich ungemütlicher werden als die Angst selbst. Es lohnt sich, näher hinzuschauen.

Die Krise beginnt in Zeitlupe

Je nachdem, wie wir mit Angst und Unsicherheit umgehen und insbesondere inwieweit wir sie fühlen und annehmen oder auch abwehren, reagieren wir unterschiedlich auf die aktuelle Situation. Von nackter Panik bis zur kompletten Verleugnung ist alles dabei, ähnlich wie bei der Klimakrise. Doch es gibt wesentliche Unterschiede, die vor allem mit dem Tempo der Entwicklung zu tun haben. Auch die Coronakrise entwickelt sich gewissermaßen in Zeitlupe, aber eben doch deutlich schneller als der Klimawandel, und so sind die Reaktionsweisen anders gewichtet. Verleugnung wird nicht mehr lange möglich sein. Wer hätte gedacht, dass 50% der Flugzeuge am Boden bleiben können? Es ist bereits Fakt.

Was vielen Menschen kaum bewusst ist: Unsere Reaktion sagt zunächst oft mehr über uns selbst aus als über tatsächliche Gegebenheiten.

Schauen wir auf letztere , stoßen wir bei Corona schon bald an Grenzen. Zahlen und Statistiken, die Objektivität suggerieren, ändern sich schneller als wir gucken können. Bei der Prognose bzw. der Frage: „Wie geht es weiter und wo führt das alles hin?“ befinden wir uns im Reich der Spekulation. Wir wissen es nicht. Aber heißt das, wir können oder sollten nichts tun?

Wenn wir es nicht wissen …

Wird der Spuk in wenigen Wochen oder Monaten vorbei sein oder uns auf Jahre hinaus beschäftigen? Werden sich zwei Drittel der Bevölkerung anstecken, wie auch die Kanzlerin bereits vermutet, oder bleiben es nur einige Tausend? Wie viele von uns werden ernsthaft erkranken oder gar sterben? Ist die Bedrohung mit der einer normalen Grippe vergleichbar oder stehen wir am Beginn einer weltumspannenden Katastrophe? Wird unser Gesundheitssystem das auffangen können oder heillos überfordert sein? Für diese und viele weitere Prognosen gibt es längst prominente Fürsprecher. Sogar unter den Virologen gehen die Einschätzungen weit auseinander. Was sollen wir damit anfangen?

Dass wir über unsere Zukunft nicht Bescheid wissen, ist an sich nicht ungewöhnlich. Die wenigsten Menschen bilden sich ein, ihre Zukunft zu kennen, aber in der Regel gibt es zumindest Wahrscheinlichkeiten, an die wir uns halten können. Auch diese werden uns gerade wie der Boden unter den Füßen weggezogen. Wenn der Boden zu schwanken beginnt, woran können wir uns dann noch festhalten? Meist greifen wir vermehrt auf unsere Sicherheit versprechenden alten Glaubenssätzen und Überzeugungen zurück. In der Summe bilden diese das mehr oder weniger festgelegte Mindset, das unsere Persönlichkeit wesentlich ausmacht. Es ist die Brille, durch die wir die Welt sehen und erfahren. Den meisten Menschen ist allerdings gar nicht bewusst, dass sie überhaupt eine aufhaben.

Die Neigung unserer Persönlichkeit erkennen

Die Voreingenommenheit unserer Persönlichkeit können wir in diesen Zeiten gut beobachten:

  • Woran glauben wir? Mit welchem Blick betrachten wir unsere Mitmenschen, die Gesellschaft? Glauben wir eher an das Gute oder das Schlechte im Menschen oder auf der Welt? Gibt es einen Sinn?
  • Wie sieht unser Erwartungsmanagement aus? Ist unsere Brille tief dunkel eingefärbt und wir gehen stets vom Schlimmsten aus? Oder ist sie eher in freundlichen Gelbtönen gehalten und es kann uns rein gar nichts etwas anhaben? Wie dient das eine oder das andere der Regulation unseres Gefühlshaushaltes?
  • Wie steht es mit der Balance zwischen Eigeninteresse und Gemeinwohl? Versuchen wir unsere eigene Haut zu retten oder gar Kapital aus der Situation zu schlagen wie jene, die Atemschutzmasken zu Fantasiepreisen anbieten? Oder denken wir zunächst eher an andere, an die Alten und chronisch Kranken, die bei einer Infektion ein deutlich höheres Risiko tragen, schwer zu erkranken oder zu sterben?
  • Wen oder was machen wir für die Lage verantwortlich? Schickt Gott uns eine Strafe? Sind die Medien schuld, weil das eigentliche Virus aus Panikmache besteht? Haben Politiker das Problem zu lange unterschätzt oder dramatisieren sie es? Haben sie es gar selbst erschaffen, um das Volk besser unterdrücken zu können? Handelt es sich um entgleiste Biowaffen im Krieg zwischen China und den USA? Neigen wir womöglich dazu, eine weltumspannende Verschwörung dahinter zu vermuten?

Was unsere Eltern damit zu tun haben

Das Problem solcher Interpretationen liegt nicht darin, dass sie nicht wahr sind. Das Problem ist, dass sie mit der Wahrheit verwechselt werden. Diejenigen, die lauthals ihre Thesen zum Besten geben –  die sozialen Medien sind wie immer voll davon – sind sich wohl kaum dessen bewusst, dass es sich um Vermutungen handelt, allerdings mit mehr oder weniger großer Wahrscheinlichkeit. Doch wer vermag das abzuschätzen? Dafür brauchen wir vor allem auch eine tiefere Erkenntnis unserer selbst.

Nur sehr selten ist uns klar, aus welchen inneren Motiven wir zu unseren persönlichen Einschätzungen kommen.

  • Fühlten wir uns schon von Kindesbeinen von „denen da oben“ (genannt Eltern) eingeschüchtert und manipuliert und unterstellen nun genau dasselbe den Mächtigen dieser Welt?
  • Haben unsere Eltern uns konsequent alle Hindernisse aus dem Weg geräumt, sodass wir an der puren Existenz ernsthafter Probleme zweifeln und diese für ein Hirngespinst halten?
  • Wurden wir stets davor gewarnt, dass das dicke Ende schon noch kommen werde und fühlen uns fast erleichtert, dass es endlich soweit ist?

Anhand von Corona können wir eine Menge über uns und unsere Prägungen herausfinden. Dafür müssen wir allerdings auch mal nach innen schauen anstatt auf die Nachrichten.

Je mehr wir uns unserer individuellen, nicht selten auch traumatischen Prägungen bewusst werden, desto eher kommen wir in die Lage, auf die aktuelle Situation eine angemessene Antwort zu finden. In einem hochemotionalen oder gar Trauma-aktivierten Modus schalten Teile unseres Gehirns einfach ab, wir können nicht mehr klar denken. Indem wir uns dessen bewusst werden und uns zunächst um unsere innere Befindlichkeit und Selbstberuhigung kümmern, können wir auch wieder auf unseren gesunden Menschenverstand zurückgreifen und auf uns zukommende Risiken – bei aller Unsicherheit – zumindest einigermaßen einordnen:

  • Wir können unseren Tunnelblick verlassen und verschiedene Perspektiven nebeneinander stehen lassen.
  • Wir können anerkennen, dass wir vieles noch nicht wissen und müssen uns nicht in trügerische Gewissheiten retten.
  • Wir können unsere Ängste und Unsicherheiten spüren, ohne uns ihnen auszuliefern.
  • Wir können unsere Einschätzung immer wieder überprüfen und sie ggfs. verändern.

All das zusammengenommen könnten wir auch Achtsamkeit nennen.

Achtsam denken, fühlen und handeln

Welche konkreten Konsequenzen ergeben sich aus einer Haltung der Achtsamkeit? Mir fallen folgende ein:

  1. Wir erschaffen uns einen geschützten Raum für unsere Gefühle, Ängste und Sorgen.
  2. Wir suchen nach menschlichem Kontakt, der uns dabei unterstützt, uns selbst zu beruhigen, unsere Gefühle anzunehmen und mehr innere Sicherheit zu finden, wo äußere zunehmend in Gefahr gerät.
  3. Wir informieren uns über konkrete Verhaltensempfehlungen, z.B. häufiges Händewaschen, Nies-Etikette beachten, bei Erkältungssymptomen 1-2 Meter Abstand halten und in schlecht belüfteten Räumen größere Menschenansammlungen meiden.
  4. Wir unterstützen unser Immunsystem. Da gibt es viele Möglichkeiten, von Vitamin C über reichlich Trinken (gerne auch heißes Wasser) bis hin zu liebevollem Körperkontakt mit Menschen, die uns vertraut sind.
  5. Wir schützen uns vor Absolutheitsansprüchen und Besserwisserei (vor der eigenen und vor fremder), indem wir unser Nichtwissen immer wieder empathisch begleiten.

Es gibt derzeit wieder viele Schlaumeier, die vorgeben, genau zu wissen, wie es weiter geht oder wie es in einigen Monaten aussehen wird. Leider sind sich die selbsternannten Propheten alles andere als einig. Was ich allerdings schon jetzt zu wissen glaube: Hinterher sind wir meist klüger. Ich finde es klug, zunächst insbesondere die Vorsichtsmaßnahmen zu ergreifen, die mit vertretbarem Aufwand zu schaffen sind. Was das konkret heißt, das wird sich in naher Zukunft womöglich Tag für Tag verändern.

Meine Verantwortung als Seminarleiter

Ja, auch in mir sind Ängste berührt. Wenn ich am Morgen aufwache und mir das Thema wieder einfällt, kommt es mir einen Moment lang so vor, als erwache ich nicht von, sondern in einen Alptraum, so unwirklich kommt es mir vor. Was bedeutet das für mich und meine Verantwortung als Seminarleiter? Was, wenn meine Gruppen demnächst nicht mehr stattfinden können? Was, wenn ich selbst krank werde oder unter Quarantäne gestellt werde? Was, wenn sich in meinen Gruppen jemand ansteckt? Was, wenn jemand mit akuten Erkältungssymptomen teilnehmen möchte?

Wie verhalte ich mich in Anbetracht all dieser Möglichkeiten achtsam und verantwortungsvoll? Zu einer verantwortlichen Haltung gehört für mich, vermeidbare Risiken zu reduzieren. Es scheint mir plausibel, dass die Ansteckungskurve flacher werden muss, um die Gesundheitssysteme nicht zu überlasten. Ich habe eine Infoseite auf unsere Homepage gestellt, da steht jeweils der aktuelle Stand, was unsere Seminare angeht.

Alle Risiken auszuschließen, wird nicht gehen. Es wäre zudem das Ende unserer Lebendigkeit, der Tod vor dem eigentlichen Tod. Eine gute Gelegenheit also, uns mit diesem vielleicht existenziellsten aller Themen zu beschäftigen: Wie erleben wir unser Verhältnis zum Tod und was bedeutet das für unser Leben? Was ist uns angesichts unserer Verletzlichkeit und der Endlichkeit dieser Existenz tatsächlich wichtig?

Die Krise als Chance?

Ich neige nicht dazu, Chancen oder das Gute einer Situation zu sehen, um unangenehme Gefühle zu verdrängen. Ich kann aber durchaus verstehen, wenn andere das tun. Vielleicht ist das sogar eine gute Bewältigungsstrategie. Wenn wir die Gedanken an die Vorteile von Corona jedoch nicht benutzen, um etwas zu verdrängen, sondern um das Leben noch mehr zu genießen und jeden Augenblick als einen kostbaren Moment dankbar zu würdigen, bin ich voll und gerne dabei. Aus Quarantänezeiten können Meditations-Retreats werden. Wenn Events ausfallen, können wir entschleunigen und uns auf Wesentliches besinnen. Unser Hamsterrad können wir denjenigen überlassen, die gerade Hamsterkäufe tätigen. Neun Monate nach Blackouts, bei denen durch Stromausfall gar nichts mehr ging, wurden auch schonmal auffällig viele Geburten registriert …

Vielleicht gibt dieses unvorstellbar kleine Partikelchen namens Covid19 den Anstoß dazu, dass sich individuell wie kollektiv mehr Bewusstsein entwickelt, mehr Empathie für uns und einander und ein tieferes Verständnis universeller Verbundenheit. Warum schafft dieses Virus – für sich genommen noch nicht mal ein eigenständiges Lebewesen – vieles, was die Klimakrise bislang nicht geschafft hat? Vielleicht werden wir es eines Tages wissen und dafür dankbar sein.

Ich wünsche uns allen, dass wir gut durch diese herausfordernden Zeiten kommen und immer mehr Mitgefühl entwickeln, mit uns selbst und miteinander.

Weiterführende Links:

Über Saleem Matthias Riek

Saleem Matthias Riek ist Heilpraktiker mit dem Schwerpunkt Paar- und Sexualtherapie, Tantralehrer, Diplom-Sozialpädagoge und lebt bei Freiburg im Breisgau. Saleem ist Autor mehrerer Bücher rund um Lust und Liebe, Tantra und Spiritualität. Bisher erschienen sind "Herzenslust" (auch als Hörbuch), "Leben, Lieben und Nicht Wissen", "Herzensfeuer", "Lustvoll Mann sein" und "Mysterien des Lebens". Weitere Bücher sind in Vorbereitung, u.a. eine Romantrilogie.
Dieser Beitrag wurde unter Aktuelles, Politik, Widersprüche abgelegt und mit , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

7 Antworten zu Coronifiziert

  1. Danke Saleem, tut mir grad gut deine Gedanken dazu zu lesen.
    Immer wieder erreichen mich Wellen von Verunsicherung: Gebe ich der netten Optikerin die Hand zur Begrüßung (sie kommt mir zuvor und sagt, dass sie grad nicht die Hand geben). Fahr ich morgen lieber mit dem Auto statt dem Zug zu meiner Freundin. Und was bedeutet das für mich als Seminarleiter? Erste Absagen kamen gestern und heute für die Abendgruppe. Können kommende Seminare vielleicht nicht stattfinden? Welche Auswirkungen wird das für meine berufliche Existenz haben?
    Ich kann es nicht kontrollieren. Aber ich kann mich informieren und verantwortungsvoll und achtsam verhalten. Auch ich informiere auf meiner Homepage über den aktuellen Stand, was meine Seminare betrifft.

  2. Nur wenige Tage nach der Veröffentlichung des obigen Textes sind noch viele Fragen offen, aber eine nicht mehr: ein ungebremstes exponentielles Wachstum der Verbreitung des neuen Coronavirus führt sehr bald zum Kollaps des Gesundheitssystems, selbst dann, wenn es für die große Mehrheit der Bevölkerung harmlos ist. Wer es nicht glaubt, informiere sich bitte über die Situation in Italien, wo jeden Tag hunderte Menschen nur deshalb sterben, weil das System überfordert ist.
    Wir müssen also handeln, wenn wir nicht Verleugner oder Zyniker sein wollen.
    https://medium.com/@holger.heinze_81247/coronacodex-meine-selbstverpflichtung-w%C3%A4hrend-der-covid-19-epidemie-f6eecf35a174

  3. Ihr Lieben,
    derzeit machen Videos eines Lungenarztes namens Wodarg die Runde, der die Pandemie für einen Riesenbetrug hält.
    Wenn man sich seine Thesen genau anschaut, kann man sehr schnell feststellen, dass er vieles so verdreht, dass es seine Thesen unterstützt, alles was da nicht hinein passt, lässt er weg. Und er macht viele logische Fehler, nach dem Muster: es gab Epidemien, die von Pharmafirmen dramatisiert wurden, um Kasse zu machen, also ist es jetzt wieder so.

    Pure Manipulation. Wodarg macht das sehr geschickt, er spielt perfekt auf der Klaviatur dessen, was viele gerade sooo gerne hören wollen: Alles ist harmlos. Alles nur ein abgekartertes Spiel einiger Mächtiger da oben, die nichts anderes im Sinn haben, als uns zu unterdrücken.

    Leider rächt sich nun, dass insbesondere auch in der Psycho-, Spiri- und Esoszene Urteils- und Kritikfähigkeit seit vielen Jahren unbeliebt und unterbelichtet sind und es hier keinerlei kritischen Diskurs gibt.
    Jeder darf glauben und anpreisen, was er will, und sei es auch noch so obskur. Was, du urteilst noch? Igitt!
    Solange das nur private Konsequenzen hat, ist das das gute Recht jedes Einzelnen.

    Aber in der gegenwärtigen Lage wird es brandgefährlich, Fake, Vermutungen, Wahrscheinlichkeiten, Risiken und Fakten überhaupt nicht mehr auseinander halten zu können. Von der Mathematik exponentieller Kurven mal ganz zu schweigen.

    Was ich aus erster Hand in meinem Umfeld mitbekomme: Viele suchen gezielt im Netz nach genau solchen Meldungen! Leute, man kann dort alles finden! Man kann alles glauben.

    Nur: Dem Virus ist das egal. Es ist wie beim Klimawandel: Es ist egal, ob man daran glaubt, er schreitet so oder so voran. Manche konnte ich in persönlichen Gesprächen dafür gewinnen, sich selbst zu überprüfen: Glaube ich etwas, weil ich das glauben will. Oder bin ich wirklich offen für die Wahrheit.

    Ja, es ist vieles offen, und das Virus selbst ist für die meisten Menschen ungefährlich. Was aber aus meiner Sicht bei klarem Verstand unübersehbar ist (allerdings eben nur wenn man hinschaut): Die Pandemie weitgehend ungebremst laufen zu lassen, wäre vollkommen unverantwortlich. Ausnahmsweise sind hier die Politiker mal nicht sooo beratungsresistent wie bei manchen anderen Themen. Das liegt wohl einfach daran, dass ihnen so dermaßen der Arsch auf Grundeis geht, dass am Ende sie daran gemessen werden, was sie getan oder nicht getan haben. Und zwar, anders als beim Klimawandel, wahrscheinlich noch zu ihren Lebzeiten.

    Bitte informiert euch, was in Italien abgeht. Wodarg tut so, als sei das alles ganz normal, als seien die Klinikbetten von panikinduzierten Hypochondern überfüllt. Aus meiner Sicht ist der Typ ein Psychopath, der Trump unter den echten oder Möchtegern-Experten. Bitte informiert euch, recherchiert, bevor ihr solchen Mist teilt (was ich hier bewusst nicht tue, er ist eh omnipräsent in den social media).

    Links zur weiteren Recherche:
    https://taz.de/Corona-in-Italien/!5668464/
    https://www.zeit.de/digital/internet/2020-03/fake-news-coronavirus-falschnachrichten-luegen-panikmache
    https://www.facebook.com/sandra.maurer.1048/posts/1641929249289154
    https://www.nachdenkseiten.de/?p=59303&fbclid=IwAR14DSLr-tlEwhAhBuHHEyvS17sWGD_vqC5DbeJNTciEjG2Oo9msSRSoYUA
    https://www.facebook.com/photo.php?fbid=647400469327776&set=a.126112071456621&type=3&theater

  4. Danke, Saleem, für den sehr bodenständigen und passenden Text zu der Corona-Lage.
    Mich bereichert er. Auch ich bin von der allgemeinen Verunsicherung und Angstwellen nicht verschont geblieben. Die Pandemie an sich erzeugt ja schon einen kollektiven Trauma-Sog.
    Mich hat auch zunächst ein Fluchtimpuls heimgesucht. Ihn aber bewusst zu erleben verbindet mich letztlich damit, da bleiben zu können und für mich selbst und andere passend Sorge zu tragen – und ich bringe ein wenig mehr Licht in meine eigenen Automatismen und wachse daran.
    Es ist gut dass auch solche ausgewogenen Texte wie Deiner zu finden sind.
    Und mich ärgert ebenso wie Dich, dass so viele Halbwahrheiten als Wahrheiten verkauft werden wie von dr. Wodarg. Das giesst nur Öl ins Feuer der allgemeinen Angst und Verunsicherung und schürt nichts Gutes. Also danke für Deine intelligenten und sehr deutlichen Worte, denen ich beipflichte.

  5. Katja sagt:

    Lieber Saleem,
    danke für’s auf den Punkt bringen.
    Ich empfinde Selbstliebe, Achtsames Selbstmitgefühl und Meditation als sehr hilfreich, sanft, still und im positiven Sinne ansteckend. Und freue mich über alle, mit denen ich mich in diesem Space verbinden kann.

  6. Katja sagt:

    Hier noch ein Hinweis auf einen Achtsamkeits-online-Kongress, der noch bis Sonntag stattfindet. Zwar zuweilen mit dem typischen amerikanischen „overlay“, aber sehr gute, sehr qualifizierte Beiträge über den Umgang mit herausfordernden Emotionen, wie z. B. Angst:
    https://www.mindfullivingsummit.com/summit-home/

  7. Alaka sagt:

    Danke Dir Saleem für das Öffnen der Perspektiven in unterschiedliche Richtungen.
    Ich möchte darauf etwas schreiben, auch wenn es mir nicht so ganz leicht gefallen ist.

    Ich war davon überzeugt, dass das alles eher harmlos ist. Ein Teil von mir war / ist fassungslos über die anzunehmenden wirtschaftlichen Ausmaße und Nebenwirkungen der verordneten Anti-Corona-Maßnahmen auf jeden einzelnen von uns, inklusive mir selber. Ich habe mich über die „Unverhältnismäßigkeit“ aufgeregt. Milliarden Euro für die Errettung ein paar Alter, die sowieso an der Grippewelle gestorben wären. Ich wäre am liebsten mit einem großen Schild zur Anti-Corona-Maßnahmen-Demo auf die leere Straße gegangen, um lautstark gegen die selbstzerstörerischen Maßnahmen des Staates zu protestieren. Die Angst der Politiker anzuprangern. Die Thesen von Dr. Wodarg waren da nur gerade ein zufälliger Pflasterstein, der auf diesen Weg passte. Dass ich seine Aussagen aber nicht durch eigene Recherchen untermauern konnte, ließ mir aber keine Ruhe.

    In der Zwischenzeit, seitdem ich deinen Blogbeitrag gelesen und deine Meinung zu diesem Lungenfacharzt erfahren habe, bin ich vom einen Extrem in das genaue Gegenteil zu meiner ursprünglichen Einschätzung verfallen. Ich habe zu meinem Mann gesagt: Wir gehen ab jetzt nicht mehr raus. Absolute Notbremse sofort!! Dabei haben sich vor meinem inneren Auge meine Lungenbläschen aufgelöst. Ich konnte mich des Gefühls nicht erwehren, dass sich das Atmen irgendwie brennend anfühlt. Mit Schrecken habe ich mir vorgestellt, welche über 80 jährigen Menschen ich wohlmeinend bei meinen letzten öffentlichen Veranstaltungen bereits infiziert haben könnte.

    Gehe ich mit der Anti-Anti-Meinung auf die Straße, bekomme ich Gegenwind. Sogar von meinem eigenen Chef. Bin ich dagegen plötzlich ganz beflissen in der Einhaltung eines sozialen Abstandes und bitte auch Mitmenschen darum, wird von anderen Menschen kritisiert, ich ließe mich von der Regierung manipulieren. Mir wurde erst heute empfohlen, Dr. Wodarg anzusehen…

    Die einen meinen, der Virus sei lediglich im Schlepptau einer meist mild verlaufenden Atemwegsinfektion. Man wiegt sich in Sicherheit. Die anderen veranstalten um einen Einzeller einen existenzgefährdenden, publikumswirksamen Riesenwirbel und setzen reihenweise freiheitliche Regeln außer Kraft.

    Es ist spannend und ernüchternd zugleich mich selber zu beobachten. Wie sich das Fähnlein meiner eigenen Meinungen im Winde der Umgebung mitdreht und genau dann doch wiederum von einer anderen Seite Gegenwind erhält. Wo bin ich? Was soll ich glauben oder nicht glauben? Wo ist mein Ankerpunkt, das Auge des Sturms?

    Beim Klimawandel gehen die Meinungen ebenfalls weit auseinander. Gefühle werden in uns ausgelöst, verschiedenste Themen berührt. Einige Klimaveränderungen sind auch schon spürbar bei uns angekommen – wie das Virus. Trotzdem wird aber nicht wirklich etwas getan in der Politik.
    Dein Hinweis darauf, dass die Wahlperiode der Abgeordneten kürzer ist, als der vermutete Eintritt schwerwiegender Beeinträchtigungen durch den Klimawandel, sitzt…
    Man meint, noch über Zeit zu verfügen. Wer weiß, vielleicht ist ja in 10-20 Jahren doch alles ganz anders als horrorszenariomäßig prognostiziert. Ist der Meeresspiegel wirklich um xy Meter gestiegen, wie das in den 80er Jahren wissenschaftlich genau für 2020 ausgerechnet worden war?

    Das Brisante in Bezug auf das Virus: Es ist wesentlich deutlicher erkennbar, dass die Zukunft, von der wir reden, nur wenige Tage vor uns liegt, schon so gut wie da ist. Trotzdem wirken manche Menschen in diesem Land immer noch so, als hätten wir alle Zeit der Welt, das Virus zu relativieren und die Kurve kratzt sich von selber. Und welcher Zahlenspielerei soll man überhaupt schon Glauben schenken?

    Dabei denke ich, dass man für das Betrachten exponentieller Wachstumskurven eigentlich kein Mathematikstudium brauchen sollte. Aber vielleicht sind die Kurven auch nur dadurch zustande gekommen, dass die Testhäufigkeit exponentiell zugenommen hat? Wird durch das Knappwerden der Tests nun auch ein Rückgang bei den Neuinfizierungen zu verzeichnen sein und das Virus sich damit von selber erübrigen?

    Fragezeichen. Antworten? Einen Preis bezahlen wir. So oder so.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.