Nachruf zum Ende der „Connection“

Die Zeitschrift „Connection Spirit“ ist am  23. Oktober 2015 zum letzen Mal erschienen, nach mehr als 30 Jahren! Die Einladung zu einem Nachruf habe ich gerne angenommen, vor allem, da sie knackig daher kam: „Jedenfalls wird jetzt Tacheles geredet, wir akzeptieren in dieser Abschlussrede von dir keine Lügen mehr und kein Süßholzgeraspel. Jetzt muss die Wahrheit raus, denn das ist vermutlich die letzte Chance, uns mal in aller Öffentlichkeit die Meinung zu geigen.“  Hier also meine Antwort:

Lieber Sugata, du möchtest zum Schluss die ungeschminkte Wahrheit? Kein Süßholzgeraspel? Also gut. Los geht’s.

Ich komme gleich zur Kernfrage. Gibt es ein Leben ohne Connection? Wohl kaum. Wenn die Connection Spirit ihren Dienst an unserer Verbundenheit einstellt, ist dies ein lebensgefährlicher Akt, verantwortungslos und selbstsüchtig! Sugata, wie kannst du nur so egoistisch sein, jetzt nur an dein eigenes Wohl zu denken und deine jahrzehntelange Selbstausbeutung zu beenden? Du machst doch nicht jetzt etwa – nach all den Jahren! – doch noch einen auf Selbstverwirklichung?

Marktwirtschaftliche Todsünden
Wir brauchen dich! Wir brauchen einen, der dumm genug ist, seinen unternehmerischen Erfolg stets zu gefährden, indem er auch seine eigenen Kunden auf´s Korn nimmt. Du hast IMG_1944Megatrends des Esomarktes entzaubert. Du hast gnadenlos deren Anzeigen karikiert. Du hast die Gutgläubigkeit deiner Leserinnen und Leser nicht nur nicht gewürdigt, sondern mit Füßen getreten. Du ließest sie einfach nicht damit durchkommen, ihren Verstand abzuschalten und ganz im Vertrauen zu leben. Nein, sie sollten weiter kritisch hinterfragen, was ihnen auf dem Psycho- und Esomarkt so alles feilgeboten wird. Dabei geht es doch ums Loslassen!!! Sugata, da musst du dich doch nicht wundern, dass nur Hartgesottene und Zwangsneurotiker, wie ich einer bin, nicht losließen, sondern an deinem Produkt unverdrossen festhielten.

Jedoch: Du hast all die Jahre genau das Richtige getan, du hast deine marktwirtschaftlichen Todsünden mit grandiosem persönlichen Engagement wettgemacht. Du hast Unmögliches geschafft, nämlich das Magazin stets am Rande des Finanz- und Nervenzusammenbruchs am Leben gehalten. Und nun glaubst du das Recht zu haben, einfach aufzuhören? So ganz ohne Burnout oder sonstige sozial akzeptable Gründe? Geht’s noch? Was fällt dir überhaupt ein?

Dem Ego zum Opfer
Ganz unschuldig bin ich an dieser Entwicklung vielleicht auch nicht. In manchen meiner Texte, die du – fast immer mit großer Wertschätzung, danke! – abgedruckt hast, habe ich ähnlich wie du die These vertreten, dass das Ego eigentlich nichts Böses oder Verdammenswertes ist, sondern ein Aspekt unseres Daseins, der genau wie alles andere seinen Part spielen möchte.

Doch nun fällst du dem Ego zum Opfer! Das ist etwas ganz anderes! Die spirituelle Szene kann darüber nicht amüsiert sein. War deine Kritik am Egobashing etwa nur die ideologische Einstimmung dafür, dass wir deinen unverschämten Ich-mach-die-Biege-Coup jetzt einfach so hinnehmen? Du glaubst doch wohl kaum, du könntest einfach so deinen persönlichen Bedürfnissen folgen? Ohne im nächsten Leben wieder eine Zeitschrift heraus bringen zu müssen, die noch viel schwerer zu vermarkten ist?

Also gut. Ich lasse auch los. Ein Leben ohne die Connection ist zwar unvorstellbar, aber ich bin sicher, sie wird uns virtuell, energetisch und in freundschaftlicher Verbundenheit erhalten bleiben. Und dein Verdienst unvergessen.

Süßholzplantagen
Mist, jetzt konnte ich es doch nicht lassen, ein wenig Süßholz zu raspeln. Das ist wie eine Sucht. Sugata, ich werde dich als medialen Kritiker spiritueller Süßholz-Monokultur echt vermissen.

Version 2Manche Süßholzplantagen der Mainstream-Esoterik erinnern mich an die endlosen Apfelplantagen in Südtirol. Hast du die schon mal gesehen? Ein Apfel pausbäckiger als der andere, wie eine Verheißung vom Paradies. Bis man erfährt, dass die Pestizide, die dort ausgebracht werden, jeweils das ganze Tal beglücken und es so gut wie unmöglich machen, dort Bio anzubauen. Die wenigen dortigen Biobauern müssen ein ähnliches Ausdauer-Gen haben wie du. Wäre schön, das würde zu einer ansteckenden Gesundheit. Vielleicht leben dann unsere Connections eines Tages ganz ohne ein entsprechendes Printmagazin. Aber die Zeit bis dahin… sie wird hart!

Weitere Nachrufe und vor allem auch das Fazit von Sugata Wolf Schneider selbst finden sich in der Connection Spirit 11-12/2015 mit dem Schwerpunkt „Jetzt mal im Ernst: Sind wir komisch?“

Über Saleem Matthias Riek

Saleem Matthias Riek ist Heilpraktiker mit dem Schwerpunkt Paar- und Sexualtherapie, Tantralehrer, Diplom-Sozialpädagoge und lebt bei Freiburg im Breisgau. Saleem ist Autor mehrerer Bücher rund um Lust und Liebe, Tantra und Spiritualität. Bisher erschienen sind "Herzenslust" (auch als Hörbuch), "Leben, Lieben und Nicht Wissen", "Herzensfeuer", "Lustvoll Mann sein" und "Mysterien des Lebens". Weitere Bücher sind in Vorbereitung, u.a. eine Romantrilogie.
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3 Antworten zu Nachruf zum Ende der „Connection“

  1. Lieber Saleem, ach wie erfrischend, komisch und erheiternd….obwohl es ja traurig ist, und ums loslassen geht. Ich lerne da ganz neue Züge von Dir kennen….!!
    Du solltest Dich öfters von dieser Seite zeigen….oder dich für die Zukunft bei einer Satirezeitschrift bewerben…..
    Prashanti

  2. Matthias sagt:

    leuchttürme erkennen leuchtürme
    der“ GEIST IN AKTION „hat auch nur eine begrenzte anzahl hände
    und widmet sich wohl nun einem neuem spiel
    teiltrauernd namaste matthias (vor Saleem und Sugata)

  3. Wow, das ist ja wohl die beste Satire, die ich je gelesen habe. Wobei natürlich nicht alles satirisch-ironisch gemient ist, dazu kennt SMR die Connection und deren Seele namens Sugata zu gut. Und ich vermag auch nur deshalb – zumindest ein wenig – zwischen Satire und ernsthafter Bewertung (Lob wie Kritik) zu unterscheiden, weil ich einmal vor acht Jahren die Ehre und das Vergnügen hatte, an einem „Charisma“-Seminar im Connection-Haus in Niedertaufkirchen teilzunehmen und einiges von innen kennenzulernen. Sowohl Persönliches als auch Sachliches.
    Da ich auch ein wenig von der Zeitungsmacherei verstehe (habe drei technische Zeitschriften gemacht), bin ich seither voller Hochachtung für Sugatas Leistung, redaktionell wie verlegerisch. Das wird ihm niemand nachmachen. Für ihn gilt das, was mal der Räuber Hotzenplotz von sich sagte: Bei ihm war möglich, was eigentlich unmöglich ist. Dazu bedurfte es aber nicht nur der Selbst-Ausbeutung, wie SMR schreibt, sondern ein gutes Stück weit auch der der MitarbeiterInnen.
    Tja, dass Sugata es nicht lassen konnte, permanent in die Hände zu beißen, die ihn ernährten, da wusste ich nie, ob ich vor Respekt vor so viel Kessheit und Mut stramme Haltung annehmen sollte oder mir an die Stirn tippen.
    In Sugatas eigener Rückschau auf der „Spuren“-Seite ist die Rede von der Macht der Großpresse, der eine kleine (na ja, sooo klein war die Connection nun auch wieder nicht) Nischenzeitschrift nicht auf Dauer standhalten konnte. Da bin ich anderer Meinung. Wenn Sugata nur ein klein wenig vom hohen Ross des Idealismus heruntergekommen wäre und sich den größeren Teil der „marktwirtschaftlichen Todsünden“ hätte verkneifen können (ohne sein eigentliches Ziel aus den Augen zu verlieren), könnte es die Connection heute noch geben.
    Da hätte aber die Gefahr bestanden, dass er damit reich geworden wäre. Daran war er ebenso nah wie an der Pleite. Aber das erlaubte halt sein Idealismus und vermutlich ein gewisser fakirhafter Masochismus nicht.
    Auf jeden Fall ist da einer sich selbst treu geblieben. Bis ins „Scheitern“ hinein. Respekt.

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