Tantra for future

Liebe Leserin, lieber Leser,
findest du es begrüßenswert oder überfällig, dass die Klimakrise mehr und mehr in den öffentlichen Fokus rückt? Oder denkst du genervt: Jetzt fängt der Saleem auch noch damit an?
Haben Tantra und die Kunst des Seins nicht nur etwas mit unserer Präsenz im Hier und Jetzt zu tun, sondern auch mit unserer Zukunft? Wie wäre es mit Tantra for future?

Ohnmacht und Fassungslosigkeit

Mich bewegt dieses Thema sehr und es berührt viele, oft auch unangenehme Gefühle in mir wie Ohnmacht, Hilflosigkeit und Fassungslosigkeit. Immer wieder Fassungslosigkeit darüber, dass und wie die Menschheit sehenden Auges die Lebensgrundlagen auf diesem wunderbaren Planeten zerstört. Fassungslosigkeit auch über die Abwehrmechanismen, mit denen wir in der Lage sind, Themen, die uns unangenehm werden, auszublenden, koste es was es wolle.

Zugleich kann ich die Abwehrmanöver durchaus nachfühlen. Ich sitze an meinem Schreibtisch bei strahlendem Sonnenschein, die Bienen summen, die Vögel zwitschern, vor mir das Panorama der Vogesen. Bei soviel Frieden und Idylle kann es doch gar nicht sein, dass das Leben zukünftiger Generationen auf dem Spiel steht. Können wir solche Aussichten überhaupt aushalten und dass unser Lebensstil auch noch dazu beiträgt, dass andernorts Leben systematisch zerstört wird. Das schreit doch geradezu nach Abwehr und Verdrängung. Too big to feel statt too big to fail?

Was hat die Umwelt mit unserer Innenwelt zu tun?

Meine Antwort auf all das? Keine Angst, ich werde jetzt nicht den Zeigefinger erheben und euch sagen, was zu tun ist. Ich weiß es nämlich selbst nicht und außerdem helfen erhobene Zeigefinger meist nicht weiter. Ich ringe immer wieder um meine ganz persönliche Antwort auf die drängenden Umweltthemen. Daraus resultieren ganz praktische Dinge wie auch grundsätzliche Überlegungen. Dazu gehört auch die Hoffnung, dass die Beschäftigung mit unserer Innenwelt, unserer Lust und unserer Liebesfähigkeit irgendwann auch unserer Umwelt zugutekommt.

Aber dieses Irgendwann, so der überwältigende Konsens der Wissenschaft, könnte zu spät sein, um die Krise überhaupt nur begrenzen zu können. Und selbst wenn wir der Wissenschaft keinen Glauben schenken (immerhin stellt auch sie nur Hypothesen auf, die sie irgendwann zugunsten zutreffenderer Hypothesen wieder verwirft): Gibt es gute Gründe, die Weltmeere mit Plastik zu vermüllen, Tiere in Fleischfabriken leiden zu lassen oder Flugbenzin nicht zu besteuern (die Liste ließe sich beliebig fortsetzen)?

Wer trifft die nötigen Entscheidungen?

Ich glaube, mit moralischen Appellen in Richtung individueller Verhaltensänderung kommen wir nicht entscheidend weiter. Es braucht einschneidende kollektive Maßnahmen und zwar bald, aber wer soll die nötigen Entscheidungen treffen? Ist es damit getan, die Grünen zu wählen? Sollen wir uns nackt an Flugzeuge ketten? Worin liegt meine oder deine ganz persönliche Verantwortung? Unterstützt du den Klimastreik am 20. September? Wie kann es uns gelingen, uns von der Last dieser Themen nicht erdrücken zu lassen? Müssen wir sie dafür ausblenden?

Welchen Beitrag kann Tantra anbieten? Ist es nicht gerade die Stärke von Tantra, das Bewusstsein der Verbundenheit von allem, was ist, spürbar werden zu lassen und danach handeln zu lernen? Oder sind auch wir davon komplett überfordert?

Ich würde gerne deine Meinung dazu hören. Wie gehst du mit diesen Themen um, was berühren sie in dir, worin siehst du deine Verantwortung?
Was könnte ich im Rahmen der Schule des Seins tun oder besser lassen?
Ich freue mich über deine Rückmeldung.

Herzliche Grüße

Saleem

Über Saleem Matthias Riek

Saleem Matthias Riek ist Heilpraktiker mit dem Schwerpunkt Paar- und Sexualtherapie, Tantralehrer, Diplom-Sozialpädagoge und lebt bei Freiburg im Breisgau. Saleem ist Autor mehrerer Bücher rund um Lust und Liebe, Tantra und Spiritualität. Bisher erschienen sind "Herzenslust" (auch als Hörbuch), "Leben, Lieben und Nicht Wissen", "Herzensfeuer", "Lustvoll Mann sein" und "Mysterien des Lebens". Weitere Bücher sind in Vorbereitung, u.a. eine Romantrilogie.
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19 Antworten zu Tantra for future

  1. lieber Saleem,
    danke dass du das Thema ansprichst. Mir gefallen deine Gedanken…
    Wir sind neben Spirituellen Wesen auch verkörpert, was wunderbar ist; und dazu auch politisch gefragt. Wir sind in unserer Verantwortung auf allen Ebenen.
    Meine Art, mit dieser Verantwortung um zu gehen ist z.B. mein bewusster Einkauf, den ich in dem Stil seit der Schwangerschaft meiner ersten Tochter praktiziere.
    Ich hinterfrage meinen Konsum und was ich mit meinem Geld unterstütze…
    Die Zeit der Hirarchien neigt sich dem Ende zu und wir sind alle selbst gefragt!
    Auf meine Umgebung wirke ich, indem ich mich zeige und meine Meinung vertrete.
    Brigitte

  2. Nishkam Koch sagt:

    Hallo Saleem,
    ich sehe es ähnlich wie Brigitte. Wir sind in diesem Körper, um Erfahrungen zu machen und auf dem „Spielfeld“ mitzuspielen. So wir wir unterschiedliche Aspekte haben, handeln und sprechen wir auch in unterschiedlichen Bewusstseinszuständen. Es scheint mir wichtig zu sein, sich bewusst zu machen, welche Ebene gerade sinnvoll und angemessen ist. Bei allem Engagement sollte uns klar sein, dass das alles ein grosses Spiel der Existenz ist, in dem wir uns bewegen. Aber es macht keinen Sinn so ein Argument in einer öffentlichen Klimadiskussion zu verwenden. Mein Lehrer Jeru Kabbal (ehemals Santosh bei Osho) sagte bei solchen Fragen gern: „Im Hier und Jetzt sein bedeutet nicht doof sein“. Im Gegenteil nutze deine Klarheit und Intelligenz und handle in diesem Moment so wie du es richtig findest. Die Existenz wird dich genau an den Platz stellen, wo du gerade etwas bewirken kannst/sollst. Je mehr wir tief erfahren, dass wir Eins sind und alles Bewusstsein hat/ist , um so weniger können wir es übers Herz bringen, der Umwelt, Tierwelt, Pflanzenwelt… Schaden zuzufügen. Liebe Grüße,
    Nishkam/ClarityProject

  3. Walter Frey sagt:

    Lieber Saleem. Auch ich befinde mich im Clinch: So inkonsequent wie ich lebe, kann ich nur die allgemeine Richtung anpeilen, auf die ich zugehen möchte. Nun fliege (!) ich Ende Woche nach Marokko, wieder mal nach Jahren, alles individuell organisiert und sicher trotzdem voll von Ueberraschungen. Das Problem ist unlösbar: völliger Verzicht schadet Ländern, damit Menschen, die auf den Tourismus angewiesen sind. Trotzdem allgemeine Richtung: bewusster und erfüllter leben. Konsumreduktion ohne sektiererisch zu werden und ohne Aburteilen von Menschen, die es nicht so halten. Wacher Umgang mit den Medien. – Tantra so wie du es lebst und lehrst, fördert eine menschliche Grundhaltung der Akzeptanz von sich selber und auch von allem, was ist. Da kommt auch der Körper ins Spiel, der wir ja sind, Akzeptanz in Liebe zu uns in unserer Unvollkommenheit und trotzdem Einzigartigkeit. Auch Tantra kann korrumpiert werden und zur Wellnessveranstaltung verkommen. ( Da spüre ich wieder mal den alten Moralisten in mir, der so denkt: Was da nicht an altem Schrott in den Gedanken noch ist!) Trotzdem gibt es kein anderes Wort. – Unserem Unbehagen und unserer Hilflosigkeit an der Entwicklung der Welt können wir nur mit aufgeklärtem Vertrauen in uns und Offenheit trotz allem begegnen.

  4. Lieber Saleem, ich fühle mit dir, bin deinen Gedanken und Gefühlen ganz nah.
    UND ich habe großes Vertrauen in Mutter Erde, sie ist nicht zu zerstören – wir leben in einer polaren Dimension.
    Hier muss es Licht und Schatten geben und die Schatten kommt immer mehr ans Licht, werden sichtbar, werden hörbar.

    Wunderbar, dass jetzt die Jungen auf die Straße gehen und dass es zum Klimawandel eine auffordernde Welle gibt auf der Erde… immer mehr machen mit.
    Das ist Bewusstseinswandel und nur so geht es!
    Das Erwachen geschieht und es geht nur über das individiduelle Bewusstsein, das Heilen der Abspaltungen und Trennungsmuster vom Leben in uns selbst!
    Das fließt ins kollektive Feld und schafft auch für das Klima die Veränderungen, die unseren Mutterplaneten in Balance bringen.
    Davon bin ich überzeugt!
    Herzensgrüße
    Sylvia

  5. Mir fiel das heute zu Deinem Artikel ein:

    Wetterleuchten

    Wenn Schmetterlinge fehlen und Bienen sterben,
    keine Frösche im Teich mehr umeinander werben,
    keine Lerchen mehr singen, keine Schwalben jagen,
    dann ist es zu spät, zu jammern und klagen

    Wenn die Meere vermüllen und die Fische verenden,
    wenn immer mehr Menschen Ressourcen verschwenden,
    wenn Temperaturen steigen, das Meer sich hebt,
    dann ist es für kluge Worte zu spät

    Wenn Technik sich verfeinert, Menschen verrohen,
    Tyrannen herrschen, Katastrophen drohen,
    wenn der Kampf um Wasser und Nahrung beginnt,
    dann wird man sagen: wie war’n wir doch blind!

    Heut ist der Tag und jetzt ist die Zeit,
    die Gier zu beenden, unnötiges Leid
    Hier ist der Ort, in Frieden zu leben
    die Natur zu achten, zu lieben, zu hegen

    Jürgen Wagner

  6. Gregor Stephani sagt:

    Lieber Saleem,
    ich denke die Kunst besteht darin, sich nicht von der Dimension des Themas und der (scheinbaren) eigenen Machtlosigkeit überwältigen zu lassen und doch seine eigene, von innen getragene Antwort zu geben.
    Nein, es macht keinen Sinn, die Weltmeere zu vermüllen, die Augen vor dem Leiden der Tiere zu verschließen, sich wegen kleinlicher Ängste für eine klinisch reine Welt ohne Mücken, Wölfe usw auszusprechen.
    Ich möchte achtsam mit mir, meinen Mitmenschen und der Schöpfung umgehen und dies durch mein Verhalten im Alltag ausdrücken – und dabei Zwanghaftigkeit und Verbissenheit vermeiden, in der Lage sein, auch einmal „fünfe gerade sein zu lassen“, mir bewusst sein, dass ich und alle Wissenschaftler sich irren können.
    Was Beschwörungen der Apokalypse anbelangt, frage ich mich auch, ob das nicht genauso wie der unbedachte Umgang mit der Schöpfung, der Wahn, alles tun zu können, Ausdruck der menschlichen Hybris ist, uns selbst – als Individuum – und als Gattung zu wichtig zu nehmen. Ich glaube, ein gerütteltes Maß mehr an Demut würde uns allen sehr gut tun und, so denke ich, echtes Handeln erleichtern.
    In diesem Sinne wünsche ich uns allen viel Lust und Freude beim achtsamen Umgang mit uns selbst, unseren Mitmenschen und der Schöpfung….

  7. Guido von Fragstein sagt:

    Wenn man Tantra als spirituelle Praxis sieht, und nicht als irgendein Lifestyleelement, grade dann kann man sich in diesen Fragen nicht abwenden und irgendeine Privatheit proklamieren, in der man behaupten kann, uns ginge das nichts an. Niemand kann behaupten das ginge sie oder ihn nichts an. Grade die Konstruktion des Privaten war es ja immer, die dem Sprituellen entgegenstand. „Es gibt nur einen kleinen, umgrenzten Raum in dem mein Wirken und Werken Auswirkungen hat. Ausserhalb von diesem Raum der MEIN Raum ist, hat nichts von dem was ich tue irgendwelche Folgen“. Das ist nicht erst seit der Klimaveränderung Blödsinn, nein, das war immer schon schlichtweg falsch. Es gibt nur eine Wahrheit und die ist kosmisch und sie ist nicht angenehm. Ich wünschte nur wir hätten diese Klimaveränderung nicht gebraucht, um das zu merken. Aber vielleicht muss man das wirklich so sehen. Wir haben jetzt keine andere Wahl mehr, als wirklich zu begreifen, dass es nur eine Welt gibt, auf der wir alle gemeinsam leben. Die vielen Schäden, die schon angerichtet sind, kann das nicht wieder retten. Aber vielleicht muss man auf die Chancen hinweisen, wenn man die Menschen erreichen will und nicht nur auf kommende Schrecken hinweisen. Und diese Chance ist dann: Wirklich mit dem ganzen Körper zu fühlen, dass wir alle zusammen auf dieser Welt sind. Es nicht als Metapher oder als hohle Binsenweisheit zu akzeptieren, sondern als spirituelles Erleben. Und aus diesen Erleben dann so selbstverständlich die Erde beschützen, wie wir unsere Freunde oder unsere Kinder beschützen. Ich glaube, dass ist der Punkt, an dem Tantra helfen könnte.

  8. Markus Schulz sagt:

    Hallo liebe Tantriker,

    das Thema scheint mir ähnlich geeignet für ideologische Grabenkämpfe zu sein wie die Orgasmusfixierung beim Sex oder deren Gegenteil beim Tantra. Tantra kann uns wahrscheinlich lehren, loszulassen und uns im Nichtwissen und So-Sein-Lassen zu üben – auch hinsichtlich Klimawandel.

    Als in Freiburg aufgewachsener, somit in der Jugend grün eingefärbter und zuletzt bei den Europawahlen grün wählender Erdenbürger, stelle ich mir trotzdem die Frage, wo die vermeintliche Wahrheit zwischen Fakten, Interpretationen und Ideologie liegt.

    Wie hoch ist der Anteil des Menschen tatsächlich an den CO2-Emissionen und wie hoch in der Folge jener am Klimawandel?

    Beiträge wie diese geben mir schon zu denken: https://www.eike-klima-energie.eu/2010/01/20/nur-00004712-prozent-bund-aktivist-weiss-nicht-wieviel-co2-von-deutschland-in-die-luft-abgegeben-wird/

    Ich lehne mich also entspannt zurück, versuche mich weder über Klimaaktivisten noch über Klimawandelleugner aufzuregen und mein Nichtwissen zu akzeptieren.

    Einstweilen genieße ich den Planeten und vermeide vorsichtshalber unnötige Emissionen, indem ich in die Stadt laufe statt mit Bus&Bahn zu fahren oder gar mit dem Auto. Dann kann ich mir schon entspannter auch mal einen Urlaubsflug genehmigen, ohne gleich „schuldbewusst“ einen Klimaausgleich zahlen zu müssen. 🙂

    Viele Grüße aus Stuttgart

    Markus

    P.S.: Glaubt man so manchem Wissenschaftler, so müssten wir Vulkane als CO2 Produzenten als aller erste verbieten. Mal schauen, ob das funktioniert. 😉

  9. Gerhard sagt:

    Lieber Saleem,
    wo soll ich anfangen, wenn ich dir jetzt schreibe?
    bei den Seminaren, wo ich dich sehr in deiner Kompetenz als Leiter geschätzt habe
    bei meinen, ja was ist das, nicht Ärger, Frage an dich, was liest du, wo informierst du dich, dass du die These vom menschengemachten Klimawandel weiterverbreitest und zu Aktionen dagegen aufrufts.
    Keine Frage, ich Tantra berührt Politik und Gesellschaft
    Keine Frage mit dem Geschenken unserer Erde achtsam und sorgsam umzugehen.
    Keine Frage, ich habe viele Gedanken von dir zur Gesellschaft geschätzt zu lesen
    Doch jetzt.. hmm. Und ich weiss dass es wenig Sinn macht darüber zu diskutieren, wenn jemand sich nur bei Spiegel, FAZ, Stuttgarter Nachrichten, ZEIT, TV und Hörfunk bewegt und nicht selbst recherchiert.
    Mein Erwachen im Politischem Bereich war mit dem Brand des Gewerkschafthauses in Odesse, da wollte ich plötzlich wissen, welche Version kommt dem wirklichen Geschehen am nächsten und habe angefangen aktiv zu recherchieren darüber, habe intensiv die Quellen der verschiedenen Seiten studiert und da das erstemal gemerkt was für Geschichten uns zu sagen wir mal 90% erzählt werden, man spricht inzwischen vom Narrativ, weil das eben angesagte Botschaft ist, die weiterverbreitet werden soll.
    Von Ereignis zu Ereignis sind mir langsam die Schuppen von den Augen gefallen und mein bisheriges Bild der Welt wie Mikadostäbchen zusammengefallen.
    All das was nicht erzählt wird, was als Nachricht unter den Tisch fällt.
    Welche kritischen Wissenschaftler totgeschwiegen werden.
    All die Relotiusgeschichten. All die bösen Buben in der Welt von denen erzählt wird, von Nordkorea, über Russland, Syrien und seit kurzem Venezuela.

    Wenn du daran interessiert bist, würde ich gerne mit dir darüber ins Gespräch kommen, die Geschichen und Fakten dazu mal etwas tiefer auseinanderzuklamüsern. Wobei sage ich jetzt schon das Klima dazu sich nicht sehr gut eignet, da es sehr spekulativ und hypothetisch ist. Andere Ereignisse sind da leichter zu überprüfen. z.B. wer hat die Lastwagen an der Grenze zu Venezuela in Brand gesteckt, die noch auf kolumbianischer Seite standen und tagelang in den oben genannten Medien berichtet wurde, dass es Maduro war. Oder dass Kim Jong Un wieder mal einen seiner Berater erschossen hat und dieser inzwischen wieder neben ihn zu sehen ist.
    Genug geschrieben sonst wird es noch länger, wenn ich da erst in Fahrt komme.

    herzlich Gerhard

  10. Lieber Saleem,
    erstmal danke, daß du deine Geühle dazu veröffentlich hast. Ich komme in der letzten Zeit auch öfter an den Punkt, daß mir der ganze Wahnsinn hier auf der Erde zuviel wird, alles nur noch absurd und unverständlich ist….
    Dann gebe ich eine Massage, und habe das Gefühl, etwas sinnvolles zu tun, wenn auch im ganz kleinen, aber einem Menschen Liebe geschenkt zu haben….es könnte so einfach sein!
    Ich lebe in einem kleinen Paradies, abseits von Touristenströmen der Insel Usedom, die immer noch auf Wachstum setzt, und frage mich oft, warum kommen nicht mehr Menschen zu meinem Platz? die sich auch nach Ruhe, Nähe und zu sich selbst finden sehen???
    Abends, bevor ich zu Bett gehe, habe ich oft das Gefühl, ich verstehe gar nichts mehr, lasse los und vertraue, daß es schon irgendwie weitergehen wird.
    und mache weiter…..
    herzliche Grüße unbekannterweise
    Monika

  11. Annette Bürstner sagt:

    Lieber Saleem,
    es freut mich, dass Du Dich in dieser Weise mitteilst, weil mich ähnliche Gedanken und Gefühle umtreiben.
    Abseits einer „Schuldfrage“ und vermeintlicher „Fake News“ ist es unübersehbar, dass es einen Klimawandel gibt, der viele Menschen und andere Lebewesen existentiell bedroht.
    Ein Großteil der Antworten in diesem Blog zeigen mir, dass Spiritualität die Menschen durchlässiger macht für diese Thematik. Tantra ist für mich ein Weg, mich immer mehr zu sensibilisieren für die erlebbare Verbundenheit allen Seins. Dies macht mich verantwortungsbewusster in meinem Tun und gleichzeitig gelassener mit dem was ist. Ausserdem stärkt es mein Vertrauen und damit meine Hoffnung, dass sich dieser Bewusstseinswandel einer wachsenden Zahl von Menschen zu einer großen mitreissenden Welle entwickelt.
    Die Frage bleibt offen, ob wir diesen Schritt freiwillig und ohne Not gehen (z.B. auf einem spirituellen Weg) oder erst im Angesicht des Unausweichlichen…
    Am „Ende“ jedenfalls wird alles gut – mit oder ohne Menschen!

    Herzliche Grüße aus der Rhön,
    Annette

    • Wolf Berger sagt:

      Liebe Annette….am Ende wir jedenfalls alles gut….ist ein schöner Gedanke.

      Mit Menschen…noch ein schönerer.

      Lieben Gruss aus dem Zaubertal
      Wolfgang

  12. G. P. sagt:

    Freut mich, dass Du das Thema aufgreifst. Ich befasse mich beruflich intensiv mit Klimawandel bzw. vor allem mit Klimapolitik. Da ich täglich damit zu tun habe, geht mir das sich-betroffen-fühlen oft abhanden. Das kann ich nicht ständig aufrecht erhalten – und es würde bei der Arbeit stören… Sprich, die Nüchternheit wissenschaftlicher Analyse behält meist die Oberhand. Fassungslos bin ich hin und wieder, wenn ich sehe, wie die öffentliche Debatte teilweise geführt wird. Klimaskeptiker (siehe den Kommentar von „Gerhard“), die oft schlicht alles anzweifeln und nur glauben, was sie selbst ‚irgendwo im Netz‘ gelesen haben, begegnen mir zum Glück selten. Aber die Art und Weise wie immer wieder über klimapolitische Maßnahmen (vom Tempolimit und ‚veggi day‘ über CO2-Steuer bis zu Kohleausstieg) diskutiert und entschieden wird, macht mir deutlich, wie wenig Einfluss die wissenschaftliche Analyse von Klimapolitik hat und wie wichtig die emotionale Dimension in der Praxis ist. Ich bin dabei erste Schritte zu machen auch wissenschaftlich zu untersuchen, welche Rolle Emotionen bei der Reaktion von Menschen auf verschiedene Politikinstrumente spielen – aber das ist bisher bestenfalls die Spitze des Eisbergs.

    Ich freue mich, wenn sich Einzelne oder Gruppen mit der Frage nach ihrer eigenen Verantwortung zum Klimaschutz beschäftigen und selbst aktiv werden. Als Konsumenten/innen oder als Bürger/innen. Letzteres halte ich im Vergleich für deutlich wichtiger. Ja, umweltbewusst zu konsumieren leistet einen wichtigen Beitrag. Aber das Klimaproblem lässt sich nicht lösen, wenn man sich einzig auf die Eigenmotivation verlässt. Dazu gibt es zu viele, die nicht wollen und selbst, diejenigen, die guten Willens sind, sind oft schlicht überfordert. Zu groß sind die Informationsanforderungen, um abschätzen zu können, welche Konsumentscheidung jetzt wirklich die klimafreundlichste ist. Ich bin davon überzeugt, dass es klare und ambitionierte staatliche Regulierungen braucht, um uns vor einer Erwärmung jenseits der 2° zu bewahren. Damit diese aber eingeführt werden, müssen sie von der Bevölkerung, von Verbänden und verschiedenen gesellschaftlichen Gruppen aktiv eingefordert werden. Damit das funktioniert, brauchen wir sowohl durchdachte klimapolitische Instrumente (z.B. eine CO2-Steuer, die so ausgestaltet ist, dass sie die einkommensschwächeren Mitbürger nicht schlechter stellt und nicht über Nacht ganze Industriezweige ruiniert) und auch Menschen, die sich mit Leidenschaft dafür einsetzen.

  13. Elmar sagt:

    Lieber Saleem, liebe Mitlesende,

    wie schön, dass du dich / wir uns auch im spirituellen Kontext diesen Fragen stellen. Denn erst dann wird Spiritualität für mich ganz: Wenn sie sich nicht nur um mich selbst und meine vertikale Verbundenheit dreht, sondern auch um die horizontale, die zu den Mitmenschen, den Tieren, den Pflanzen.
    Der Klimawandel ist da ein besonders schwieriger Fall: Seine Auswirkungen sind schleichend, finden zeitverzögert statt, in wirklich katastrophaler Dimension auch (noch) nicht in unserem eigenen Lebensumfeld, sondern weit weg. Und: Seine Ursachen sind nicht (nur) irgendwelche bösen Konzerne oder Staaten, sondern (auch) wir alle – in unserem ganz profanen Alltagshandeln. Vielleicht würde ja kein bewusst lebender Tantriker auf der Welt aktiv Krieg führen, stehlen, morden – aber ins Flugzeug steigen, eine Ölheizung einbauen, einen schicken SUV fahren, täglich Fleisch essen, ökologische Parteien abwählen, wenn sie unbequeme Fahrverbote durchsetzen wollen? Das wiederum gehört bei vielen von uns zum Alltag – ohne böse Absicht und vielleicht auch ohne schlechtes Gewissen. Die Verbindung von unserem eigenen Handeln zur Erhitzung unseres Planeten mit all seinen Folgen ist mit keinem unserer Sinne wahrnehmbar.
    Ich fürchte, da hilft noch nicht mal gutes mich-im-Körper-spüren o.ä. Denn auch dann ist es wahnsinnig praktisch, mit dem Auto statt mit dem Zug zum Tantra-Seminar zu fahren. Die Frage der Heizungstechnik in meinem Keller bleibt eine technische, die mit meinem Körpererleben nichts – mit dem Klima unseres Planeten aber viel zu tun hat.
    Es braucht also viele Verhaltensänderungen, die uns nur unser Frontalkortex vermitteln kann und nicht unsere Sinne direkt (die offensichtlichen, sinnlich spürbaren Umweltschutzhandlungen machen viele von uns ja: wir werfen kein Plastik in den Wald, wir kaufen kein Fleisch, wenn wir das Leiden des Tieres zuvor miterlebt haben, wir gießen keine Dispersionfarbe in den Gartenteich).
    Und viele der kopf-vermittelten, wirklich wirksamen Verhaltensänderungen fühlen sich zunächst nach Verzicht an (und einige sind es wohl auch tatsächlich). Diese beiden Aspekte des Klimaschutzes (Nicht-Erfahrbarkeit und Verzichterleben) lassen mich schon manchmal zweifeln, ob es uns als Menschheit gelingen kann…

    Und hinzu kommt: Für grosse gesellschaftliche Veränderungen, die solche Hürden zu überwinden haben, braucht es positive Visionen. Aber was haben wir Ökos zu bieten? Statt „I have a dream“ „I have a nightmare“? Kann das gelingen? Und ist es nicht in der Tat „too big to feel“?

    Und trotz allem: Gelingen kann es sicher nur, wenn wir uns selbst gut fühlen und gut spüren. Wenn wir verbunden sind mit uns und mit anderen. Deswegen ist jede liebevolle Massage, jedes achtsame Meditieren ein unterstützender Schritt. Und einer, der durch hoffentlich viele wirksame Umweltschutz-Handlungen begleitet wird…

  14. Herzlichen Dank für die vielen Kommentare und die große , zu Teil auch kontroverse Resonanz auf die Fragen, die mich bewegen.
    Ich bin überfordert, hier auf jede Rückmeldung einzeln einzugehen, und sehr viele weitere haben mich persönlich per E-Mail erreicht.
    Ich habe viele wichtige Anregungen bekommen und werde in einem weiteren Blogeintrag darauf eingehen.
    Herzliche Grüße von
    Saleem

    Einen besonders wertvollen Hinweis bekam ich von Stefan Koch, den ich euch nicht vorenthalten möchte:
    „Ich bin seit 15 Jahren Wildnispädagoge, mein Hauptaugenmerk liegt dabei auf der Verbindung der Menschen mit der natürlichen Welt. Wenn Menschen im Rahmen dieser Weiterbildungen beginnen, aus dem üblichen Hamsterrad des gesellschaftlichen Lebens zumindest mal einen Schritt heraus zu treten, dann findet praktisch automatisch auch Persönlichkeitsentwicklung und eine Veränderung der Sicht auf die Welt statt. Gedanken und Gefühle wie Du sie zum Klimathema beschreibst nennen wir „Die Mauer der Trauer“. Ich habe auch keine ernsthaften Lösungen und selber Fragen und viel Traurigkeit und Fassungslosigkeit zu diesen Themen. Aber nach besten Möglichkeiten habe ich verschiedene Herangehensweisen beschrieben, die unseren Teilnehmern den Prozess begreiflich machen sollen und vielleicht auch die ein oder andere Hilfestellung beinhalten.
    Vielleicht enthält der Text den ein oder andern nützlichen Hinweis für Dich. Wenn ja, darfst Du die von mir gesammelten Inhalte auch gerne weiterverwenden.“
    Hier der Text über die Wand der Trauer zum Download: https://www.art-of-being.de/dateien/qgwav.pdf

  15. Katrin sagt:

    Lieber Saleem,
    jetzt spät auch noch Gedanken von mir dazu-
    danke dass du das Thema hier eröffnest: Zum einen bist du ja genau jemand, der sich einmischt auch wenn es komplex bzw schwierig ist, zB dich zu metoo äußerst- zum anderen lädt dein Blog hier mich ein, grundsätzlicher darauf zu antworten. Seit Jahrzehnten beschäftigt mich beides mit wechselnder Betonung und Intensität – eine eigenes, persönliches Wachstum und spirituelle Entwicklung (als „Weg nach innen“) und politisch zu handeln, „nach außen“, in Gänsefüßchen weil ich diese Trennung gar nicht mehr ziehen kann. Für mich bedingt es sich zunehmend gegenseitig, hebt sich die Trennung immer wieder und zunehmend auf- in tiefer Erfahrung von Verbunden sein – und weil auch in den politischen Bewegungen heute und gerade bei / mit Jüngeren ein liebevoller, achtsamer Umgang miteinander vorzufinden ist, der soweit mir bekannt, in den K-Gruppen der 70er oder den Autonomen der 80er kulturell nicht so verankert war. Und doch gab es auch da eine Idee von „zusammengehören“: Auch in meinem besetzten Haus damals gab es welche, die nach Poona reisten und Andere fuhren nach Wackersdorf- und unser Austausch darüber war mehr oder weniger kreativ / einfühlsam; und in mir hatte ich eine anstrengende Zerissenheit, mich angeblich darin entscheiden zu müssen- und genau das nicht zu wollen, weil es doch, wie yin und yang, in der komplementären Gegensätzlichkeit zusammen ein Ganzes ergibt.
    Konventionen zu hinterfragen und gesellschaftlich ungehorsam zu sein ist dabei für mich ein link, der tantrische Erfahrung und Tradition mit anderen politisch- emanzipativen Bewegungen verbindet. Und auch: Die Radikalität, sich mit seinem ganzen Sein hineinzubegeben, auch: anzuvertrauen. Darin habe ich auch großen Respekt zB den Menschen im Hambacher Forst gegenüber, die dort in den Bäumen leben, auch Winter für Winter, was nicht geht ohne tiefes ökologisches Bewusstsein und persönliche Transformation – wie auch fürsorgliches Miteinander; und das gilt auch für diejenigen, die dort gegen den Kohleabbau nebenan in ein paar Tagen wieder in die Grube rennen, gemeinschaftlich und ungehorsam. Und ich freue mich natürlich auch über jede Petition die gestartet und unterzeichnet wird, weil / wenn es alles zusammen wirkt und nichts für sich beansprucht, einzig richtig zu sein.
    Da ja nun gerade gay pride sein 50. feiert: Auch dessen Startsignal in der Christopher Street war ja extrem ungehorsam, ein riot, ein Aufbegehren gegen Demütigung und Schickane, ein „jetzt reichts“ auf das wohl Viele wie auf ein Startsignal in eine gemeinsame sexuelle und gesellschaftliche Emanzipation gewartet hatten – und ähnlich jetzt die fridays for future- kids, die sich bewusst das Moment des Streiks als Mittel wählen statt „nur & brav“ Samstags in ihrer Freizeit Pappen hochzuhalten – und dafür vermutlich wohlmeinend belächelt würden.
    Auch wenn der Klimawandel hier nicht so spürbar ist –dass er hier vor allem verursacht wird, hat ja eindrücklich Rezo (vermutlich mit Freund_innen zusammen) akribisch präsentiert. Ja, ich bin nicht wissenschaftsgläubig- und doch finde ich seine Aufstellung von 26.000 Wissenschaftler_innen, die Alle dringend vor den jetzt noch abwendbaren Folgen des Klimawandels warnen, überzeugend. „Nebenbei“ hat er offensichtlich auch eine andere Kultur des Miteinanders angestoßen – dass sich nun ein CDU Politiker bei ihm für fake-news entschuldigt und dafür von Rezo und Tausenden likes erhält, ist doch ein schöner Schritt zu einem menschlicheren, auch fehlerfreundlichen Miteinander.
    Für mich persönlich ist es wesentlich, die doch immer wieder gefühlte Trennung zwischen innen und außen, zwischen privat und politisch auch immer wieder zu hinterfragen…
    Und in der radikalen Herausforderung des Verbunden-Seins mit Allem habe ich doch und gerade auch Wertungen. Dazu will ich einfach Ruth Cohn zitieren: “Ehrfurcht gebührt allem Lebendigen und seinem Wachstum. Respekt vor dem Wachstum bedingt bewertende Entscheidungen. Das Humane ist wertvoll; Inhumanes ist wertbedrohend.“
    Danke dir und euch fürs durchlesen-Herzlich Katrin

    • Klaus Wollner sagt:

      Liebe Katrin,
      mit großer Freude habe ich Deinen Beitrag gelesen und möchte nun ganz spontan darauf antworten. Dabei soll am Anfang mein herzliches Dankeschön an Dich, Saleem stehen, dafür, dass Du Stellung beziehst und Fragen stellst.
      Für mich ist es auch seit längerem so, dass die innere und äußere Ebene der Existenz untrennbar miteinande Verbunden sind. Dazu gehört für mich Methoden der inneren Entwicklung zu praktizieren, den sogenannten Alltag als Praxis zu sehen, meinen Lebensstil möglichst lebensdienlich zu gestalten, und mich z.B. in der Klimagerechtigkeitsbewegung zu engagieren. Dabei tritt auch für mich eine Trennung von innen und außen immer mehr in den Hintergrund und macht Platz für die große Verbundenheit, immer und überall, so wie Du es so schön beschrieben hast.
      Im Mai diesen Jahres gab es das Symposium „Rebell*innen des Friedens“, das in der Gemeinschaft Sulzbrunn stattgefunden hat: https://www.gemeinschaft-sulzbrunn.de/1832/wir/rebellen-des-friedens
      Dabei wurde versucht genau diese Ebenen zusammen zu bringen. Ein Stichwort dabei ist auch „Nachhaltiger Aktivismus“. Und auch auch auf den Klimacamps ist Achtsamkeit und Nachhaltigkeit wichtiger Teil des Engagements und des Umgangs miteinander.
      Liebe Katrin, ich bin auf der Suche nach Menschen die beide Ebenen als wichtig erachten und versuchen sie miteinander zu verbinden. Deshalb würde ich mich sehr freuen, wenn wir darüber in einen weiteren Austausch kommen könnten.
      Vielleicht magst Du Dich ja bei mir melden: klaus.wollner@email.de, das würde mich sehr freuen.
      Herzliche Grüße
      Klaus

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